Nicht nur Sprechende haben viel zu sagen

Vechta - Nur dort, wo Kommunikation gut gelingt, können Menschen mit Beeinträchtigungen gleichberechtigt teilhaben, mitreden und mitbestimmen. Einen entsprechend hohen Stellenwert hat das Thema in der aktuellen Diskussion um Inklusion und Teilhabe. Aber was bedeutet eigentlich „barrierefreie Kommunikation“? Und wie sollte sie beispielsweise in Einrichtungen der Behindertenhilfe ein- und umgesetzt werden? Gut anderthalb Jahre lang beschäftigten sich die Mitarbeiter des Andreaswerkes im Rahmen der 8. MitMensch-Aktion „Verstehen macht Mut“ mit Fragen wie diesen. Jetzt wurde die Aktion während einer Feierstunde im Kreishaus Vechta von Matthias Warnking, Geschäftsführer des Andreaswerkes, offiziell beendet. Das Thema „Kommunikation“ selbst, versprach er bei dieser Gelegenheit, werde die Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen aus dem Andreaswerk aber auch über die Abschlussveranstaltung hinaus bewegen.

Wenn man sich nicht mitteilen könne, fühle man sich ausgeliefert, machte die Hauptreferentin des Abends, Marion Tapken, deutlich. Die 38-Jährige spricht aus Erfahrung, nutzt selbst ein elektronisches Sprachausgabegerät, um zu kommunizieren. Seit 2008 ist sie mit ihrem Talker unter anderem als autorisierte Co-Referentin für ISAAC (International Society for Augmentative and Alternative Communication) unterwegs. Eine Aufgabe, die der Garrelerin sehr am Herzen liegt. „Ich bin stolz, dass ich als Mensch mit Behinderung Vorträge halten kann“, betonte sie auf der Veranstaltung im Kreishaus. Denn: Nicht nur Sprechende hätten viel zu sagen.

Talker, Gebärden, Symbolkarten, Leichte Sprache: Auch im Andreaswerk werden bereits verschiedenste Hilfsmittel und Maßnahmen genutzt, um Menschen mit Beeinträchtigungen die Kommunikation zu erleichtern. Weitere sollen nun mit den Spenden finanziert werden, die im Rahmen der 8. MitMensch-Aktion eingegangen sind - immerhin über 13 000 Euro. Zusammengekommen war die Summe nicht zuletzt dank der unterschiedlichen Projekte und Veranstaltungen, mit denen die einzelnen Fachbereiche des Andreaswerkes zum Erfolg der MitMensch-Aktion beigetragen hatten. Ein weiterer positiver Effekt von Backaktion und Begegnungsfest, Tag der offenen Tür und Fotoausstellung: Sie brachten das Thema „Gelingende Kommunikation“ in den vergangenen Monaten auch einer breiten Öffentlichkeit nahe.

„Die Projekte der 8. MitMensch-Aktion haben uns nicht nur an gleich mehrere Standorte im Landkreis geführt“, blickte Matthias Warnking auf die Veranstaltungen zurück. „Es haben ebenso Menschen aus der gesamten Region daran mitgewirkt – haupt- wie ehrenamtlich.“ In der MitMensch-Aktion, erklärte der Geschäftsführer weiter, stecke demnach „ganz viel Landkreis und umgekehrt“.

Erster Kreisrat Hartmut Heinen zeigte sich in seinem Grußwort zuversichtlich, dass das Andreaswerk in Zukunft weitere Projekte wie diese auf den Weg bringen werde. Dabei unterstrich er auch die Bedeutung ehrenamtlich Engagierter für deren Gelingen. Von Menschen, die sich einsetzen wollen, könne es nicht genug geben, so der Erste Kreisrat. Er würde sich daher wünschen, dass „aus dieser Veranstaltung ein Impuls an die hinausgeht, die noch ein bisschen hadern“.

abschluss mma 1 lq
V.r.n.l.: Matthias Warnking (Geschäftsführer Andreaswerk), Erster Kreisrat Hartmut Heinen, Referentin Marion Tapken, Maria Lampe-Bernholt (Beauftragte für Gelingende Kommunikation im Andreaswerk) und Moderator Helge Sonnenberg freuten sich über die zahlreichen Gäste im Kreishaus.
Bild: Thiel


abschluss mma 2 lq
Moderator Helge Sonnenberg (Mitte) holte sich für eine kleine Demonstration Verstärkung von Heike Bohm (links, Projektkoordinatorin Gelingende Kommunikation der RAG WfbM Süd-West) und Maria Lampe-Bernholt (rechts, Beauftragte für Gelingende Kommunikation im Andreaswerk).
Bild: Thiel