Letzte Gelegenheit für Ausstellungsbesuch

Vechta - Neben den 1,50 Meter hohen Schwarz-Weiß-Porträts sind Sprechblasen angebracht. „Ich bin traurig, wenn Du mich nicht verstehst!“ steht in der einen. „Nimm die Tied, dann kannst du mi bäter verstoahn!“ in einer anderen. Es ist ein Appell, der in den Zitaten der sechs Porträtgeber immer wieder auftaucht: sich Zeit zu nehmen. Wirklich zuzuhören und verstehen zu wollen.

„Verstehen macht Mut“ ist die Ausstellung überschrieben, die der Fachbereich „Wohnen und Assistenz“ des Andreaswerkes für die gleichnamige 8. MitMensch-Aktion entwickelt hat. Gezeigt werden sechs Porträts von Menschen mit Beeinträchtigungen, die mit verschiedensten Kommunikationsformen ihren Alltag zu Hause und an ihrem Arbeitsplatz meistern. Bis zum 8. März verbleiben die Fotografien der Künstlerin Mechtild Runnebom sowie die dazugehörigen Infostände zum Thema „Gelingende Kommunikation“ noch im Kreishaus Vechta.

Zuletzt hatte das Gebäude 2006 eine Ausstellung des Andreaswerkes beherbergt. Über mehrere Wochen hingen seinerzeit selbst gemalte Bilder von Schülern der Erich Kästner-Schule des Andreaswerkes sowie Schülern des Gymnasium Antonianum im dortigen Foyer. Der Name des gemeinsamen Projekts: „Kunst ist Kommunikation“. Damals wie heute sei Kommunikation ein Thema, das sich hervorragend für die Räume des Kreishauses eigne, unterstrich Erster Kreisrat Hartmut Heinen in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung am 8. Februar. Immerhin finde sie hier täglich an verschiedenen Stellen und zwischen den unterschiedlichsten Menschen statt.

Mit dem Ende der Fotoausstellung naht zugleich der Abschluss der 8. MitMensch-Aktion. Über gut anderthalb Jahre hatten die Fachbereiche des Andreaswerkes das Engagementprojekt mit eigenen Veranstaltungen unterstützt und begleitet. „Das Ziel war, das Thema ‚Gelingende Kommunikation‘ weiter bekannt zu machen“, erklärte Matthias Warnking, Geschäftsführer des Andreaswerkes. Inzwischen fest als Anspruch im Leitbild des Vereins verankert, werde die Umsetzung einer barrierefreien Kommunikation das Andreaswerk und seine Mitarbeiter aber auch über die MitMensch-Aktion hinaus bewegen.

„Einige Hilfsmittel, mit denen Menschen mit Beeinträchtigungen der Austausch erleichtert werden kann, werden im Andreaswerk bereits vielfach und sehr erfolgreich eingesetzt“, betonte Matthias Warnking. Gleichzeitig ermahnte er die Anwesenden, darüber die Bedeutung des Zuhörens nicht zu vergessen. „Wie viel Mühe geben wir uns eigentlich, um unser Gegenüber gut zu verstehen?“, lautete seine Frage an die Gäste der Ausstellungseröffnung.

Fotografin Mechtild Runnebom äußerte ein ähnliches Anliegen. Ihre Bitte und gleichzeitige Empfehlung: „Gehen Sie auf Kommunikationskurs!“ Die Gesichter auf den Bildern würden ihr – und hoffentlich auch anderen - Mut machen, sich auf Menschen aller Art einzulassen. Den abgebildeten Personen dankte die Lohnerin für ihre authentische, offene Art und die schöne gemeinsam verbrachte Zeit. „Die Freude aller sechs hat meine Arbeit sehr erleichtert“, so Mechtild Runnebom. Viel Lob gab es von ihr und den übrigen Gästen auch für die Theatergruppe Tikitamba. Die aus Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen bestehende Truppe zeigte zur Vernissage ihr neues Performance-Stück „Weltspiegel“.

Ein Besuch der Ausstellung „Verstehen macht Mut“ ist werktags zu den üblichen Öffnungszeiten des Kreishauses möglich. Das Kreishaus verfügt über Stellplätze im Außenbereich. Sollten diese besetzt sein, besteht die Möglichkeit, auf die Freiflächen vor dem Haupteingang auszuweichen. Das Parken auf dem EDEKA-Parkplatz ist für Besucher des Kreishauses nicht gestattet.

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Geschäftsführer Matthias Warnking (2. von links) eröffnete gemeinsam mit Fotografin Mechtild Runnebom (rechts), Ursula Kock aus dem Fachbereich „Wohnen und Assistenz“ (links) sowie Porträtgeberin Katharina Bünnemeyer (2. von rechts) offiziell die Ausstellung.
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Die Ausstellungseröffnung stieß innerhalb und außerhalb des Andreaswerkes auf großes Interesse.
Bild Thiel