Irgendetwas geht immer

Vechta/Lohne - Rückblickend schwärmt Jens Diez vor allem von der großen Motivation der Teilnehmer. Und von der Eigendynamik, die sich im Laufe der insgesamt elf Treffen entwickelte. „Irgendwann fingen alle an, sich ganz selbstverständlich untereinander Tipps und Feedback zu geben“, erinnert sich der Teamberater und Personal Coach aus Langförden. Für ihn selbst seien die Termine mit den Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen aus der Werkstatt des Andreaswerkes am Brägeler Forst „viel Arbeit, aber auch ein Riesenspaß“ gewesen. Thema des 14-täglichen Workshops in Lohne: die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins.  

Am Ball bleiben. Ängste überwinden und den nächsten Schritt wagen. Benjamin Hoffmann vom Fachdienst „Qualifizierung und Vermittlung“ des Andreaswerkes weiß aus Erfahrung, dass gerade Personen mit geringem Selbstwertgefühl damit ihre Probleme haben können. „Unser Hauptziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu bringen. Doch das funktioniert nicht ohne die Person selbst“, erklärt er. Schrecke er oder sie davor zurück, auch einmal etwas Neues auszuprobieren, werde es schwierig.

Vor allem Personen, die sich derzeit im Berufsbildungsbereich des Andreaswerkes qualifizieren, seien zu dem Workshop eingeladen worden. „Meine beiden Kollegen und ich haben aber auch darüber hinaus geschaut, wem eine solche Veranstaltung guttun würde. Alle Kandidaten konnten dann selbst entschieden, ob sie teilnehmen möchten“, berichtet Hoffmann. Zuletzt hätten sich rund zehn Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen regelmäßig freitags zum Kurs mit Jens Diez eingefunden.

Achtsamkeits- und Aufmerksamkeitstraining, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen oder die Arbeit mit positiven Erlaubnissen: Die Gruppe habe viel angefordert und ausprobiert, erzählt Diez. „Natürlich entwickelt man vorher einen Plan. Überlegt, was man mit den Leuten machen kann.“ Vieles ergebe sich aber eben auch spontan. Je nachdem, was die Teilnehmer selbst beschäftige.

Die Frage nach dem „persönlichen Gepäck“ steht für ihn deshalb immer am Anfang der gemeinsamen Arbeit. Was bringen die Teilnehmer an Unsicherheiten mit? Welche Ziele und Talente haben sie? „Wir halten uns selbst den Spiegel vor. Schauen, was wir an uns lustig finden oder welche Macken wir haben.“ Klar, dass dabei auch miteinander gelacht werden darf. „Wir haben immer auf Humor gesetzt. Das ist mir persönlich ganz wichtig“, macht der Erzieher und Heilpädagoge deutlich.

Jens Diez ist überzeugt: „Irgendetwas geht immer! Man muss nur dranbleiben.“ Das, sagt er, hätten auch die Mitglieder der Gruppe für sich entdeckt und mitgenommen. Erste Erfolge waren und sind laut Benjamin Hoffmann bereits zu sehen. „Von den Gruppenleitern in der Werkstatt bekomme ich sehr positive Rückmeldungen – und die Bestätigung, dass sich die Teilnehmer gut weiterentwickelt haben.“ Einige von ihnen seien inzwischen sogar mit einem Praktikum gestartet.

Für beide Seiten steht längst fest, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt werden soll. Ein weiterer Kurs startet voraussichtlich im September. „Dafür“, verrät Benjamin Hoffmann, „suchen wir gerade neue Teilnehmer.“

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Jens Diez (von links) bespricht mit den Mitarbeitern des Fachdienstes „Qualifizierung und Vermittlung“, Benjamin Hoffmann, Maike Diekmann und Christian Tschapke, das weitere Vorgehen.

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Jens Diez arbeitet als Teamberater und Personal Coach – regelmäßig auch mit Menschen mit Beeinträchtigungen.

Fotos Thiel